Erziehungswissenschaften

„Erziehung heißt, ein Feuer entfachen und nicht, einen leeren Eimer füllen.“

Heraklit

Was ist Erziehungswissenschaft?

Das Fach Erziehungswissenschaft gehört zum gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeld der Schule und ist mit dem Eintritt in die Oberstufe (Jahrgang 11) wählbar. Das Fach beschäftigt sich aus wissenschaftlicher Perspektive mit Fragen nach der Erziehung, Entwicklung, Bildung und Sozialisation des Menschen, indem Theorien und Modelle aus der Psychologie, Pädagogik und Soziologie vermittelt werden. Die theoretischen Fachkenntnisse werden verknüpft mit pädagogischen Fragestellungen, z. B. Nach welchen Mechanismen lernt der Mensch? Wie entsteht die eigene Identität/die Persönlichkeit? Wie kann gewaltbereites Verhalten erklärt und verhindert werden? Was sind die pädagogischen Grundaussagen der Montessoripädagogik? und vielen weitere Facetten.

Die Besonderheit des Faches liegt darin, dass du in der Schülerrolle sowohl selbst Gegenstand als auch Lerner des Themas bist. Das bedeutet, dass dir die Kenntnisse des Faches helfen können, bewusste Lebensentscheidungen zu treffen, zum Teil schwierige Entwicklungsaufgaben zu lösen oder deinen Werdegang, deinen Lebensweg zu reflektieren.

An wen richtet sich das Unterrichtsfach?

Grundsätzlich sind alle Schülerinnen und Schüler angesprochen, die Interesse an pädagogischen und erziehungswissenschaftlichen Themenfeldern haben und sich kritisch mit Theorien, Modellen und pädagogischen Konzepten auseinandersetzen wollen.

Erziehungswissenschaft kann einen Beitrag leisten zur Vorbereitung ...
  • auf ein pädagogisch-erzieherisches Berufsfeld,
  • auf die Elternrolle,
  • auf alle Bereiche, in denen Kommunikation und Kooperation gefordert sind,
  • auf erziehungswissenschaftliche Studiengänge.

Unterrichtsthemen/Aufbau

Die angeführten Unterrichtseinheiten beruhen auf den Vorgaben des Kernlehrplans für das Fach Erziehungswissenschaft in NRW 2014. Es ist zu beachten, dass die Vorgaben jährlich variieren. Nähere Informationen sind unter folgender Adresse immer aktuell zu finden: www.standardsicherung.nrw.de

Jahrgang 11

1. Bildungs- und Erziehungsprozesse
  • Erziehungsbedürftigkeit und Erziehungsfähigkeit
  • Erziehung und Bildung im gesellschaftlichen Kontext (Verhältnis zu Sozialisation und Enkulturation)
  • Erziehungsstile
  • Erziehungsziele im historischen und kulturellen Kontext
  • Bildung für nachhaltige Entwicklung
2. Lernen und Entwicklung
  • Lernbedürftigkeit und Lernfähigkeit des Menschen
  • Behavioristische, kognitivistische und konstruktivistische Lerntheorien sowie ihre Implikationen für pädagogisches Handeln
  • Selbststeuerung und Selbstverantwortlichkeit in Lernprozessen
  • Inklusion

Jahrgang 12

  • Fördern, fordern, überfordern mit Blick auf das Modell kognitiver Entwicklung nach Piaget
  • Werteerziehung mit Blick auf das Modell moralischer Entwicklung nach Kohlberg
  • Eine pädagogische Sicht auf Modelle psychosexueller und psychosozialer Entwicklung nach Freud und Erikson
  • Interaktionistische Sozialisationsmodelle: Mead und Krappmann
  • Entwicklungsaufgaben der Lebensphase Jugend nach Hurrelmann
  • Unzureichende Identitätsentwicklung am Beispiel von der Gefahr von Identitätsdiffusion – auch in sozialen Netzwerken (Erziehung durch Medien und Medienerziehung)
  • Was leistet Pädagogik bei biographischen Brüchen?

Jahrgang 13

  • Erziehung im Nationalsozialismus
  • Pädagogische Prä- und Interventionsmöglichkeiten bei Gewalt auf der Grundlage unterschiedlicher Erklärungsansätze (z. B. Hahn, Heitmeyer, Rauchfleisch)
  • „Hilf mir, es selbst zu tun“ – Die Pädagogik Maria Montessoris
  • Institutionalisierung von Erziehung am Beispiel von Schule (nach der Theorie Helmut Fends) und Vorschuleinrichtungen (Chancen und Grenzen pädagogischen Einwirkens)
  • Schule in der Bundesrepublik Deutschland – epochaltypische Schlüsselprobleme nach Klafki
  • Interkulturalität als individuelle und staatliche Herausforderung
  • Pädagogische Berufe